Viele ignorieren Beschwerden, bis es nicht mehr geht
Was ich aus der Praxis und aus dem Arbeitsalltag immer wieder sehe: Muskel-Skelett-Beschwerden werden oft nicht früh angesprochen.
Man zieht weiter durch. Ein verspannter Nacken, Rückenschmerzen, ein gereizter Ellbogen oder Beschwerden im Knie werden lange toleriert.
Erst wenn der Schmerz stärker wird, die Beweglichkeit schlechter wird oder die Arbeit deutlich schwieriger wird, kommt das Thema auf den Tisch.
Das Problem ist, dass sie lange ignoriert werden, obwohl sie schon da sind.
Nicht jeder Schmerz führt sofort zu einer Absenz
Muskel-Skelett-Beschwerden bedeuten nicht automatisch, dass jemand nicht mehr arbeiten kann.
Viele Mitarbeitende arbeiten mit Beschwerden weiter.
Genau dadurch ist das Thema für Unternehmen schwierig: Die Person ist anwesend, aber je nach Stärke der Beschwerden kann sich die Leistungsfähigkeit verändern.
Bewegungen werden vermieden, Pausen werden häufiger nötig, Konzentration kann sinken oder Tätigkeiten werden unangenehmer.
Bei körperlichen Berufen kann das besonders relevant sein.
Als Chef merke ich Beschwerden nicht automatisch
Ich finde es wichtig, hier ehrlich zu bleiben.
Ich stehe nicht im Behandlungsraum und beobachte jeden Mitarbeiter bei seiner Arbeit.
Deshalb merke ich nicht automatisch, ob jemand Rücken-, Nacken- oder Schulterbeschwerden hat.
Meist erfahre ich davon erst, wenn der Mitarbeiter selbst etwas sagt.
Und genau deshalb ist eine offene Kommunikation wichtig.
Wenn Beschwerden monatelang verschwiegen werden, ist frühzeitiges Handeln kaum möglich.
Früher reagieren statt warten, bis gar nichts mehr geht
Für mich beginnt Prävention nicht dann, wenn jemand bereits kaum noch arbeiten kann.
Prävention beginnt früher.
Das bedeutet nicht, dass jedes Ziehen sofort medizinisch abgeklärt werden muss.
Aber wenn Beschwerden immer wieder kommen oder sich langsam verstärken, sollte man nicht einfach monatelang darüber hinweggehen.
Ich habe selbst erlebt, dass Patienten teilweise sehr lange warten, bevor sie etwas unternehmen. Ein besonders extremes Beispiel war ein Patient mit chronischen Knieschmerzen, der ungefähr fünf Jahre lang nichts gemacht hatte.
Je früher man hinschaut, desto mehr Möglichkeiten hat man.
Bewegung ist für mich einer der wichtigsten Faktoren
Wenn ich Unternehmen eine einfache Empfehlung geben müsste, würde ich Bewegung sehr weit oben einordnen.
Gerade bei sitzender Arbeit sind lange statische Positionen aus meiner Sicht ein grosses Problem.
Deshalb finde ich kurze Mikropausen sinnvoll: aufstehen, ein paar Schritte gehen, Position wechseln oder kurz mobilisieren.
Auch ausserhalb der Arbeit spielt Bewegung eine Rolle.
Fitness, Krafttraining, Mobilität oder eine andere Form von Bewegung können helfen, körperliche Belastbarkeit zu erhalten.
Regelmässig aus statischen Positionen herauskommen.
Den Körper belastbar halten statt nur Beschwerden zu verwalten.
Beweglichkeit pflegen und einseitige Belastungen unterbrechen.
Wiederkehrende Beschwerden nicht monatelang ignorieren.
Ergonomie ist wichtig – aber nicht die ganze Lösung
Eine gute Arbeitsplatzgestaltung kann unnötige Belastung reduzieren.
Bei Büroarbeit gehören für mich dazu zum Beispiel Bildschirmhöhe, Tischhöhe, Stuhl, Maus, Tastatur und die Möglichkeit, Positionen zu wechseln.
Aber ich halte wenig davon, Ergonomie als alleinige Lösung zu verkaufen.
Auch ein perfekt eingestellter Arbeitsplatz kann problematisch werden, wenn jemand acht Stunden praktisch unbewegt bleibt.
Ergonomie und Bewegung gehören für mich deshalb zusammen.
Warum Muskel-Skelett-Beschwerden Produktivität kosten können
Produktivität geht nicht erst dann verloren, wenn jemand krankgeschrieben ist.
Wenn körperliche Beschwerden die Arbeit erschweren, kann die Leistung bereits vorher sinken.
Gerade in einer Therapiepraxis ist die Rechnung sehr direkt.
Ein Therapeut kann bei uns ungefähr sechs Behandlungsstunden pro Tag leisten. Bei CHF 140 pro Stunde entspricht das einem möglichen Tagesumsatz von rund CHF 840.
Wenn körperliche Beschwerden irgendwann dazu führen, dass diese Leistung nicht mehr möglich ist, wird aus dem Gesundheitsproblem auch ein wirtschaftliches Thema.
Selbst wenn jemand weiterarbeitet, aber deutlich weniger leisten kann, kann die Qualität betroffen sein.
Sie können bereits vorher Leistung, Qualität und Belastbarkeit beeinflussen.
Meine wichtigste Empfehlung: Mach etwas dafür
Wenn mich jemand fragt, was er gegen wiederkehrende Muskel-Skelett-Beschwerden machen soll, ist meine Antwort bewusst einfach:
Mach etwas dafür. Egal, was dir guttut – mach etwas.
Das kann Bewegung sein, Krafttraining, Mobilität, Therapie, Ergonomie, eine andere Sportart oder bewusste Regeneration.
Für mich ist weniger entscheidend, dass jeder exakt dieselbe Massnahme macht.
Wichtiger ist, überhaupt Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und nicht zu warten, bis Beschwerden so stark sind, dass man gar keine Wahl mehr hat.
Fazit: Nicht warten, bis Beschwerden die Arbeit bestimmen
Muskel-Skelett-Beschwerden sind für Unternehmen vor allem deshalb relevant, weil sie häufig lange im Hintergrund bleiben.
Der Mitarbeiter arbeitet weiter, die Beschwerden werden ignoriert und erst spät angesprochen.
Eine Führungskraft kann nicht alles sehen. Deshalb braucht es eine Kultur, in der körperliche Probleme früh angesprochen werden dürfen.
Gleichzeitig bleibt Prävention auch persönliche Verantwortung.
Bewegung, Ergonomie, Training oder andere Massnahmen können sinnvoll sein – aber nur, wenn sie tatsächlich genutzt werden.
Mein wichtigster Satz dazu bleibt deshalb: Mach etwas dafür. Egal, was dir guttut – mach etwas.
Häufige Fragen
Führen Muskel-Skelett-Beschwerden immer zu Arbeitsausfällen?
Nein. Viele Menschen arbeiten mit Beschwerden weiter. Trotzdem können Leistung, Konzentration, Beweglichkeit oder Belastbarkeit bereits eingeschränkt sein.
Wie merkt eine Führungskraft, dass jemand körperliche Beschwerden hat?
Nicht immer automatisch. Gerade wenn Mitarbeitende selbstständig arbeiten, erfährt die Führungskraft häufig erst davon, wenn die Person die Beschwerden anspricht.
Was ist bei sitzender Arbeit besonders wichtig?
Für mich vor allem Bewegung und Positionswechsel. Ergonomie ist sinnvoll, ersetzt aber regelmässige Bewegung nicht.
Wann sollte man auf Beschwerden reagieren?
Spätestens dann, wenn sie wiederholt auftreten, stärker werden oder die Arbeit beeinflussen. Monatelanges Ignorieren macht die Situation meist nicht einfacher.
Welche Massnahme ist die wichtigste?
Die eine perfekte Massnahme gibt es nicht. Meine Empfehlung lautet: Mach etwas dafür. Bewegung, Training, Therapie, Ergonomie oder eine andere sinnvolle Massnahme ist besser, als Beschwerden einfach dauerhaft zu ignorieren.
Beschwerden verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert.
Früh reagieren, bewegen und Verantwortung übernehmen – bevor aus einem kleinen Problem ein grosser Ausfall wird.
