Warum gesunde Mitarbeitende zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Unternehmens gehören

Gesunde Mitarbeitende sind für mich kein «Nice-to-have». Sie sind eine Grundlage dafür, dass ein Unternehmen überhaupt funktionieren kann. Wer gesund ist, kann arbeiten, Leistung erbringen und Umsatz generieren. Gleichzeitig reicht es nicht, einfach ein paar Gesundheitsangebote bereitzustellen. Entscheidend ist, was im Arbeitsalltag tatsächlich passiert.

Ohne gesunde Mitarbeitende funktioniert ein Unternehmen irgendwann nicht mehr

Ein Unternehmen kann die besten Prozesse, die schönsten Räume und ein gutes Angebot haben. Am Ende braucht es Menschen, die diese Leistung erbringen können.

Deshalb gehören gesunde Mitarbeitende für mich zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Unternehmens.

Dabei geht es nicht darum, dass jeder Mitarbeiter immer zu hundert Prozent leistungsfähig sein muss. Menschen werden krank, haben schwierigere Phasen und sind nicht jeden Tag gleich belastbar.

Aber wenn gesundheitliche Probleme, Überlastung oder wiederkehrende Ausfälle zum Dauerzustand werden, wirkt sich das irgendwann auf das gesamte Unternehmen aus.

Gesundheit ist für mich nicht nur ein persönliches Thema.

In einem Unternehmen beeinflusst sie Leistungsfähigkeit, Verfügbarkeit, Umsatz, Organisation und letztlich auch die anderen Mitarbeitenden.

Was ein Krankheitstag wirtschaftlich bedeuten kann

Gerade in einer Therapiepraxis lässt sich der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Wirtschaftlichkeit ziemlich direkt sehen.

Bei uns kann ein Therapeut an einem gut ausgelasteten Arbeitstag ungefähr sechs Behandlungsstunden leisten. Bei einem Stundenansatz von CHF 140 entspricht das einem möglichen Tagesumsatz von CHF 840.

Fällt dieser Mitarbeiter krank aus, kann er an diesem Tag diese Leistung nicht erbringen. Der Lohn läuft gleichzeitig grundsätzlich weiter.

Natürlich können wir viele Patienten verschieben. Unsere Patienten sind dabei meistens sehr kulant. Trotzdem verschwindet das Problem nicht einfach.

Die verschobenen Patienten brauchen später neue Termine und belegen damit Kapazitäten, die ansonsten für zusätzliche Patienten verfügbar gewesen wären.

6 Behandlungsstunden × CHF 140 = CHF 840 möglicher Tagesumsatz.

Ein Krankheitstag bedeutet deshalb nicht nur Organisation. Er kann sich unmittelbar auf die wirtschaftliche Leistung einer Praxis auswirken.

Prävention beginnt für mich, solange es einem noch gut geht

Viele Menschen beschäftigen sich erst dann mit ihrer Gesundheit, wenn bereits Beschwerden vorhanden sind.

Das erlebe ich auch als Therapeut immer wieder. Patienten kommen häufig nicht beim ersten Anzeichen eines Problems, sondern erst nach Wochen, Monaten oder teilweise sogar Jahren.

Für mich ist das eigentlich das Gegenteil von Prävention.

Prävention bedeutet, etwas für die Gesundheit zu tun, solange es einem noch gut geht. Nicht erst dann, wenn man nicht mehr arbeiten kann oder Schmerzen den Alltag bestimmen.

Genau diesen Gedanken finde ich auch für Unternehmen wichtig. Gesundheitsförderung sollte nicht erst beginnen, wenn die Absenzen steigen.

Wenn ich priorisieren müsste, würde ich mit Bewegung beginnen

Wenn ein Unternehmen ein begrenztes Budget für die Gesundheit seiner Mitarbeitenden hat, würde ich persönlich zuerst Bewegung fördern.

Ein Beitrag an ein Fitnessabo kann beispielsweise verschiedene Bereiche gleichzeitig abdecken: Krafttraining, Ausdauer, Mobilität, Kurse und je nach Angebot auch Regeneration.

Danach würde ich mir die Ergonomie anschauen. Besonders bei sitzenden oder einseitigen Tätigkeiten sollte der Arbeitsplatz so gestaltet sein, dass nicht unnötig zusätzliche Belastungen entstehen.

Aber auch das beste Angebot bringt wenig, wenn die Mitarbeitenden gar nicht wissen, dass es existiert oder weshalb sie es nutzen sollten.

01Bewegung

Körperliche Belastbarkeit aktiv unterstützen.

02Ergonomie

Unnötige Belastungen am Arbeitsplatz reduzieren.

03Bewusstsein

Mitarbeitende müssen vorhandene Angebote kennen und verstehen.

04Früh reagieren

Beschwerden ernst nehmen, bevor daraus längere Einschränkungen entstehen.

Gesundheit ist nicht nur körperlich

Für mich gehört die psychische Belastung genauso dazu.

Wir leben in der Schweiz in einem leistungsorientierten Umfeld. Leistung gehört zum Berufsleben und eine gewisse Belastung lässt sich nicht vermeiden.

Entscheidend ist für mich deshalb nicht, jede Belastung aus einem Unternehmen entfernen zu wollen. Das wäre unrealistisch.

Die wichtigere Frage ist: Was passiert innerhalb dieser Belastung?

Kann ein Mitarbeiter sagen, dass gerade zu viel zusammenkommt? Bekommt er Unterstützung? Oder wird zusätzlicher Druck aufgebaut?

Genau dort beginnt für mich ein grosser Teil der Verantwortung eines Unternehmens.

Die Energie im Team beeinflusst, wie Arbeit erlebt wird

Ich spreche dabei gerne von der Energie innerhalb einer Firma.

Menschen verbringen sehr viel Zeit miteinander bei der Arbeit. Deshalb macht es einen grossen Unterschied, ob man sich gegenseitig unterstützt oder unterdrückt.

Ein Team kann eine anspruchsvolle Phase gemeinsam tragen. Es kann dieselbe Phase aber auch noch schwieriger machen, wenn Konflikte, Misstrauen oder permanenter zusätzlicher Druck entstehen.

Das lässt sich nicht immer in einer Kennzahl ausdrücken. Trotzdem spürt jeder Mitarbeiter ziemlich schnell, wie die Stimmung in einem Unternehmen ist.

Belastung lässt sich nicht immer verhindern.

Aber ein Unternehmen kann beeinflussen, ob Mitarbeitende innerhalb dieser Belastung Unterstützung erfahren oder noch zusätzlich belastet werden.

Gesunde Mitarbeitende haben auch mit Führung zu tun

Für mich bedeutet gute Führung nicht, Mitarbeitende vor jeder Belastung zu schützen.

Es bedeutet vielmehr, vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, Vertrauen zu geben, Verantwortung zu ermöglichen und Probleme anzusprechen, bevor sie immer grösser werden.

Ich habe meinen Mitarbeitenden grundsätzlich viel Freiheit gegeben. Wenn ich eine Fachperson einstelle, möchte ich ihr auch zutrauen, ihre Arbeit selbstständig zu erledigen.

Gleichzeitig braucht Freiheit Grenzen. Gesetzliche Vorgaben, Qualität, Dokumentation und Patientensicherheit sind in einer Therapiepraxis nicht verhandelbar.

Für mich gehören deshalb Vertrauen und Klarheit zusammen.

Dasselbe gilt für Wertschätzung. Sie besteht nicht nur aus Lob, sondern darin, Mitarbeitende ernst zu nehmen, zuzuhören und respektvoll mit ihnen umzugehen – auch wenn etwas einmal nicht funktioniert.

Ein Fitnessabo oder eine Firmenmassage löst keine schlechte Unternehmenskultur

Ich halte Gesundheitsangebote grundsätzlich für sinnvoll.

Fitnessabos, Firmenmassage, ergonomische Massnahmen oder andere Angebote können Mitarbeitende unterstützen und gleichzeitig zeigen, dass ein Unternehmen bereit ist, in Gesundheit zu investieren.

Aber ich finde es eine Farce, wenn ein Unternehmen viel Geld in Gesundheitsmassnahmen investiert und seine Mitarbeitenden gleichzeitig dauerhaft in einem chronischen Stresszustand hält.

Ein Benefit kann schlechte Führung nicht ausgleichen.

Und eine Massage kann keine Unternehmenskultur reparieren, in der Menschen jeden Tag zusätzlichen Druck erleben.

Deshalb würde ich immer zuerst die Arbeitsbedingungen betrachten und Gesundheitsangebote danach sinnvoll ergänzen.

Ein Unternehmen kann nicht jede Krankheit verhindern

Auch das gehört für mich zu einer vernünftigen Betrachtung von Mitarbeitergesundheit.

Menschen werden krank. Jemand kann regelmässig Sport treiben, gut schlafen und auf seine Gesundheit achten und trotzdem eine Grippe, einen Virus, eine bakterielle Infektion oder eine andere Erkrankung bekommen.

Ein Unternehmen kann und sollte nicht versuchen, jeden Krankheitstag zu verhindern.

Wo es aber Einfluss nehmen kann, sind vermeidbare zusätzliche Belastungen: fehlende Bewegung, ungünstige Ergonomie, dauerhaft schlechte Arbeitsbedingungen, unnötiger psychischer Druck oder körperliche Beschwerden, die über lange Zeit ignoriert werden.

Gesundheitsförderung bedeutet für mich deshalb nicht, perfekte Gesundheit zu versprechen. Es bedeutet, dort Verantwortung zu übernehmen, wo man tatsächlich etwas beeinflussen kann.

Fazit: Gesunde Mitarbeitende sind keine Nebensache

Für mich ist der Zusammenhang ziemlich einfach: Ein Unternehmen ist auf die Menschen angewiesen, die jeden Tag seine Leistung erbringen.

Wenn diese Menschen langfristig gesund, belastbar und gerne bei der Arbeit sind, profitiert auch das Unternehmen.

Weniger vermeidbare Ausfälle bedeuten mehr verfügbare Leistung und weniger organisatorische Belastung. Gleichzeitig können gute Arbeitsbedingungen, Bewegung, ein unterstützendes Team und vernünftige Führung dazu beitragen, dass Mitarbeitende ihre Arbeit langfristig ausüben können.

Gesundheit sollte deshalb nicht erst dann interessant werden, wenn jemand ausfällt.

Gesunde Mitarbeitende sind für mich nicht das Ergebnis eines einzelnen Gesundheitsangebots. Sie sind das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, die ein Unternehmen jeden Tag trifft.

Häufige Fragen

Warum sind gesunde Mitarbeitende für Unternehmen wirtschaftlich wichtig?

Weil Mitarbeitende die Leistung eines Unternehmens erbringen. Bei Ausfällen fehlen je nach Branche Arbeitsleistung, Umsatz und Kapazität, während gleichzeitig organisatorischer Aufwand und weiterlaufende Kosten entstehen können.

Welche Gesundheitsmassnahme würde ich zuerst empfehlen?

Wenn ich priorisieren müsste, würde ich Bewegung sehr weit oben einordnen. Ein Fitnessangebot kann verschiedene körperliche Bereiche abdecken. Danach würde ich Ergonomie, psychische Belastung und bestehende körperliche Beschwerden betrachten.

Kann ein Unternehmen Krankheitstage verhindern?

Nicht vollständig. Infektionen und viele andere Erkrankungen lassen sich nicht einfach verhindern. Unternehmen können aber Bedingungen schaffen, die vermeidbare zusätzliche körperliche und psychische Belastungen reduzieren.

Welche Rolle spielt Führung für die Mitarbeitergesundheit?

Führung beeinflusst unter anderem Vertrauen, Verantwortung, Kommunikation, Arbeitsbelastung und die Frage, ob Probleme früh angesprochen werden können. Deshalb ist sie für mich ein wichtiger Teil eines gesunden Arbeitsumfelds.

Sind Firmenmassage und andere Benefits sinnvoll?

Ja, als Ergänzung können sie sinnvoll sein. Sie ersetzen aber keine vernünftigen Arbeitsbedingungen und keine gute Führung.

TherapieKompass · Gesunde Unternehmen

Gesundheit beginnt nicht erst beim Ausfall.

Unternehmen können nicht jede Krankheit verhindern. Aber sie können jeden Tag Bedingungen schaffen, unter denen Menschen langfristig gesund arbeiten können.