Was kostet ein Krankheitstag ein Schweizer Unternehmen wirklich?

Wenn ein Mitarbeiter krank ausfällt, denke ich als Praxisinhaber in erster Linie an den Umsatz, der an diesem Tag nicht generiert werden kann. In einer Therapiepraxis lässt sich das relativ konkret berechnen. Bei uns entspricht ein voll belegter Behandlungstag eines Therapeuten ungefähr CHF 840 möglichem Umsatz – und genau dort beginnt die eigentliche Rechnung.

Bei uns stehen pro Krankheitstag rund CHF 840 Umsatz auf dem Spiel

In unserer Massagepraxis kann ein Therapeut effektiv ungefähr sechs Behandlungsstunden pro Tag leisten. Bei einem Stundenansatz von CHF 140 ergibt das einen möglichen Tagesumsatz von CHF 840.

Praxisbeispiel Muscularia

6 Behandlungen bzw. Behandlungsstunden × CHF 140 = CHF 840 möglicher Tagesumsatz.

Wenn dieser Mitarbeiter krank ist, kann er an diesem Tag keinen Umsatz generieren. Das ist für mich die erste und sichtbarste wirtschaftliche Folge eines Ausfalls.

Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Franken endgültig verloren ist. Viele Patienten können verschoben werden. Trotzdem ist der Tag zunächst nicht produktiv nutzbar und die späteren Termine blockieren wiederum Kapazitäten.

Der Umsatz fällt aus – der Lohn läuft trotzdem weiter

Genau das macht Krankheitstage für ein Unternehmen wirtschaftlich anspruchsvoll. Der Mitarbeiter kann an diesem Tag keinen Umsatz generieren, erhält seinen Lohn aber grundsätzlich trotzdem.

Das bedeutet: Die Einnahmeseite fällt ganz oder teilweise weg, während ein grosser Teil der Personalkosten bestehen bleibt.

In einer Dienstleistungsbranche wie der Therapie ist dieser Zusammenhang besonders direkt sichtbar. Wir verkaufen im Wesentlichen Zeit und Fachleistung. Wenn diese Zeit nicht erbracht werden kann, kann sie an diesem Tag auch nicht verkauft werden.

Wir versuchen fast alle Patienten zu verschieben

Wenn ein Therapeut ausfällt, versuchen wir die Patienten möglichst nicht einfach abzusagen, sondern einen neuen Termin zu finden. Das gelingt bei uns meistens sehr gut.

Unsere Patienten sind in solchen Situationen sehr kulant. Kundenverlust ist deshalb für mich nicht der entscheidende Kostenpunkt.

Aber das Problem verschiebt sich dadurch.

Ein Patient, der heute nicht behandelt werden kann und nächste Woche einen Ersatztermin erhält, belegt nächste Woche einen Termin, den ansonsten ein zusätzlicher Patient hätte buchen können.

Der Umsatz ist nicht immer weg – aber die Kapazität bleibt begrenzt.

Ein verschobener Termin rettet häufig die Behandlung, blockiert aber zu einem späteren Zeitpunkt einen Platz, der sonst zusätzlich verkauft werden könnte.

Ein Krankheitstag bedeutet auch viel organisatorische Arbeit

Was bei solchen Rechnungen schnell vergessen wird, ist die Organisation.

Alle betroffenen Patienten müssen erreicht werden. Wir versuchen es zuerst telefonisch. Wenn jemand nicht erreichbar ist, folgt je nach Situation eine Nachricht per E-Mail oder WhatsApp.

Besonders mühsam wird es bei sehr kurzfristigen Ausfällen. Wenn die erste Behandlung bereits um 8:30 Uhr geplant ist, bleibt kaum Zeit, um alle Patienten rechtzeitig zu informieren und gleichzeitig Ersatztermine zu finden.

Diese Arbeit generiert keinen zusätzlichen Umsatz. Sie muss trotzdem erledigt werden.

01Patienten kontaktieren

Telefonieren, E-Mails schreiben oder Nachrichten senden.

02Ersatztermine suchen

Freie Kapazitäten im Kalender finden und abstimmen.

03Team koordinieren

Prüfen, ob andere Therapeuten einzelne Patienten übernehmen können.

04Kalender neu planen

Verschiebungen wirken sich häufig auf spätere Tage ebenfalls aus.

Der versteckte Kostenpunkt: weniger freie Kapazität

Für mich ist das einer der wichtigsten Punkte.

Wenn wir sechs Patienten eines ausgefallenen Therapeuten später nachholen, sind diese Behandlungen nicht verloren. Aber sie müssen irgendwo im zukünftigen Kalender Platz finden.

Dadurch ist unsere Kapazität an diesen späteren Tagen stärker eingeschränkt als normalerweise.

Das ist wirtschaftlich relevant, weil wir nicht unbegrenzt viele Patienten behandeln können. Ein Therapeut hat pro Tag nur eine bestimmte Anzahl sinnvoller Behandlungsstunden zur Verfügung.

Gerade in der Massagebranche lässt sich die Arbeitszeit nicht beliebig nach oben erhöhen. Der Beruf ist körperlich anspruchsvoll und Regeneration gehört für mich zur langfristigen Berufsfähigkeit dazu.

Ein Tag ist etwas anderes als zwei Wochen

Der wirtschaftliche Unterschied ist für mich ziemlich direkt mit der Dauer des Ausfalls verbunden.

Ein einzelner Tag bedeutet bei einem voll ausgelasteten Therapeuten zunächst bis zu CHF 840 nicht erbrachten Tagesumsatz.

Bei zehn Arbeitstagen wären es theoretisch bereits bis zu CHF 8'400 an nicht erbrachter Leistung, bevor berücksichtigt wird, welche Termine verschoben oder von anderen Mitarbeitern übernommen werden können.

Je länger der Ausfall dauert, desto schwieriger wird es, alle Termine nur durch Verschiebungen aufzufangen. Irgendwann reicht die bestehende Kapazität nicht mehr aus.

Je länger der Ausfall, desto kleiner wird der Spielraum.

Einen einzelnen Tag kann ein Team meistens relativ gut auffangen. Bei mehreren Wochen werden die Kompromisse deutlich grösser.

Nach 30 Tagen wird die Krankentaggeldversicherung relevant

Bei uns greift die Krankentaggeldversicherung nach einer Wartefrist von 30 Tagen.

Wenn ein Mitarbeiter mehrere Monate ausfällt, ist die Situation organisatorisch natürlich schwierig. Wirtschaftlich wird ein Teil der Belastung nach Ablauf dieser Wartefrist aber durch die Versicherung abgefedert.

Deshalb können häufige kurze Ausfälle für ein Unternehmen ebenfalls sehr belastend sein. Sie verursachen immer wieder Umsatz- und Organisationsprobleme, ohne dass die Krankentaggeldversicherung überhaupt zum Tragen kommt.

Gesundheitsmassnahmen bringen wenig, wenn der Alltag chronisch krank macht

Ich halte Gesundheitsangebote grundsätzlich für sinnvoll. Bewegung, ergonomische Beratung, Therapie oder andere Gesundheitsleistungen können Mitarbeitende unterstützen.

Aber ich finde es eine Farce, wenn ein Unternehmen viel Geld für Gesundheitsmassnahmen ausgibt und gleichzeitig seine Mitarbeitenden dauerhaft in einem chronischen Stresszustand hält.

Natürlich gibt es Branchen und Situationen, in denen hohe Belastungen zeitweise nicht vollständig verhindert werden können. Aber gerade in der Therapiewelt funktioniert eine dauerhafte Überlastung langfristig nicht.

Ein körperlich und mental erschöpfter Therapeut kann irgendwann nicht mehr dieselbe Leistung bringen. Deshalb beginnt Gesundheitsförderung für mich nicht beim Benefit, sondern bei vernünftigen Arbeitsbedingungen.

So würde ich die tatsächlichen Kosten eines Krankheitstags berechnen

Je nach Branche ist die Rechnung unterschiedlich. In einer Therapiepraxis kann man sie aber relativ verständlich aufbauen.

01Möglicher Tagesumsatz

Bei uns: 6 Stunden × CHF 140 = CHF 840.

02Weiterlaufende Personalkosten

Der Lohn und weitere Arbeitgeberkosten verschwinden durch den Krankheitstag nicht einfach.

03Organisationsaufwand

Patienten kontaktieren, Termine verschieben und Kalender neu koordinieren.

04Kapazitätsverlust

Nachgeholte Termine beanspruchen zukünftige Behandlungsplätze.

Wichtig ist mir dabei, nicht einfach CHF 840 als endgültigen Schaden zu bezeichnen. Wenn Patienten später behandelt werden, kommt ein Teil dieses Umsatzes zurück.

Die wirtschaftliche Belastung entsteht aus der Kombination: ausgefallene Leistung, weiterlaufende Personalkosten, organisatorischer Aufwand und reduzierte freie Kapazität in den darauffolgenden Tagen.

Fazit: Regelmässige Ausfälle werden schnell teuer und belastend

Ein Krankheitstag ist für ein Unternehmen deutlich mehr als ein fehlender Mitarbeiter.

In unserer Praxis stehen pro voll ausgelastetem Therapeuten ungefähr CHF 840 möglicher Tagesumsatz im Raum. Gleichzeitig müssen Patienten informiert und verschoben werden, Personalkosten laufen weiter und zukünftige Kapazitäten werden knapper.

Ein einzelner Ausfall lässt sich meistens gut auffangen. Wenn Ausfälle aber regelmässig auftreten oder länger dauern, werden die wirtschaftlichen und organisatorischen Folgen deutlich grösser.

Meine Kernaussage ist deshalb einfach: Regelmässige Krankheitsausfälle sind für ein Unternehmen sehr teuer und gleichzeitig sehr belastend – auch dann, wenn die verlorenen Termine später teilweise nachgeholt werden können.

Häufige Fragen

Was kostet bei euch ein Krankheitstag eines Therapeuten?

Bei sechs möglichen Behandlungsstunden und einem Stundenansatz von CHF 140 liegt der mögliche Tagesumsatz bei rund CHF 840. Das ist der zunächst betroffene Umsatz, nicht automatisch der endgültige wirtschaftliche Verlust.

Gehen alle ausgefallenen Termine verloren?

Nein. Wir können viele Patienten verschieben. Dadurch bleibt der Umsatz teilweise erhalten, die späteren Ersatztermine reduzieren jedoch die freie Kapazität für zusätzliche Patienten.

Welche indirekten Kosten entstehen zusätzlich?

Vor allem organisatorischer Aufwand: Patienten kontaktieren, Termine neu planen, freie Kapazitäten suchen und das Team koordinieren.

Wann greift bei euch die Krankentaggeldversicherung?

In unserem Betrieb nach einer Wartefrist von 30 Tagen. Die konkrete Leistung hängt vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab.

Sind häufige einzelne Krankheitstage problematisch?

Ja. Sie führen immer wieder zu kurzfristigem Organisationsaufwand und Umsatzproblemen. Gleichzeitig wird die Wartefrist einer Krankentaggeldversicherung bei einzelnen kurzen Ausfällen häufig nicht erreicht.

TherapieKompass · Gesunde Unternehmen

Krankheitskosten nicht nur beim Lohn suchen.

Umsatz, weiterlaufende Personalkosten, Organisationsaufwand und verlorene Kapazität gehören gemeinsam in die Rechnung.